Studentencampus

Hilfe, ich bin in Bayern!

Studentin wird mit der bayerischen Kultur konfrontiert.
Geschrieben von j.ruhs

Die Zusage für meinen Studienplatz an der Universität Passau: Als ich diese in den Händen hielt, war ich wirklich überrascht. Ich werde also in Bayern studieren. Nicht in Baden-Württemberg, wie ich es bis vor geraumer Zeit eigentlich noch geplant hatte und wo ich auch ursprünglich herkomme. Nein, nicht da, sondern im tiefsten Bayern an der Grenze zu Österreich und Tschechien.

Bayern, deine Klischees

Wie wohl jeder hatte auch ich ein Bild von den Bayern im Kopf. Schließlich scheinen fast alle Klischees von hier zu stammen ─ zumindest das, des Lederhosen tragenden Deutschen mit dem Bierkrug in der einen und der Bratwurst in der anderen Hand. Ja ja, die Bayern. Ein heimatverliebtes, stolzes, katholisch angehauchtes Völkchen, das sich im größten aller Bundesländer pudelwohl fühlt, angeblich das schwerste Abi und die erfolgreichste Fußballmannschaft der Welt besitzt. Außerdem ist es ja wohl das Bundesland, das bei jeder sich bietenden Gelegenheit eine „Extrawurst“ benötigt. Was man allein schon an der Tatsache erkennt, dass der Freistaat als einziges einen regionalen Ableger in der Parteienlandschaft hat. Hier herrscht nicht die CDU, sondern die CSU, die ihre Macht stets aufs Neue verteidigt.

In diesem ganz speziellen Teil von Deutschland steht auf den Krankenwägen nicht „Deutsches Rotes Kreuz“, sondern „Bayerisches Rotes Kreuz“. Für mich als Noch-Nicht-Bayer erst einmal Gewöhnungssache. Und wenn wir schon bei den Unterschieden zum Rest von Deutschland sind: Statt „Hallo“ und „Tschüss“ sagen die Bayern „Servus“ und „Pfiadi“. Sprachunterschiede und Kommunikationsschwierigkeiten hatte ich in der ersten Uni-Woche zur Genüge. Hochdeutsch hier in Niederbayern? Fehlanzeige. Was zur Hölle wollen die Bayern von mir, wenn ich meinen „Servus noaklatscha“ soll? Ganz einfach: Unterschreiben soll ich. Ja, hinterher ist man immer schlauer. „Back mer’s“ hat hier nichts mit backen zu tun, „nach vüri“ meint mit Sicherheit nicht die Uhrzeit und mein Fahrrad heißt ganz plötzlich „Radl“. Hilfe! Wo bin ich hier nur gelandet?

Bayern, drodzdem sche

Doch jetzt, nach knapp einem Monat in Bayern, habe ich mich schon recht gut eingelebt. Beinahe habe ich mich an den Dialekt gewöhnt. Und auch, wenn die Bayern manchmal ein wenig eigen oder seltsam sind, habe ich mir trotzdem ein schönes Fleckchen Erde zum Studieren ausgesucht. Auf meine kommende Zeit hier im Freistaat „gfrei i mi voi“ (freue ich mich voll – für alle Nichtbayern 😉)!

Über den Autor/die Autorin

j.ruhs

Einen Kommentar abgeben

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.