Studentenbeiträge

Mit ADHS studieren – erfolgreich! So kann es klappen!

adhs-studieren Student sitzt mit Buch in einem Stuhl am Strand
Geschrieben von Redaktion

Ein Studium ist an sich schon mit hohen Anforderungen verbunden. Anders als während der Schulzeit wird die Selbstorganisation dabei immer wichtiger. Lernen im Homeoffice hat diese Herausforderung noch einmal verstärkt. Studierende mit ADHS sind besonders stark von dieser Situation betroffen. Das muss aber noch lange kein Hinderungsgrund für ein erfolgreiches Studium sein. Mit den richtigen Tipps ist das gar kein Problem.

Typische Schwierigkeiten bei ADHS

Eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung bringt typische Schwierigkeiten mit sich. Betroffene nehmen viele Dinge in ihrer Umwelt wahr und denken schnell über sie nach. Übung im Denken und ein kluger Kopf ist daher keine Seltenheit. Jedoch springt die Aufmerksamkeit schnell auf Nebensächlichkeiten oder vertieft sich in Dingen, die aktuell keine Priorität haben. Es kommt zu Konzentrationsstörungen. Zwar liegt eine hohe Motivation vor. Diese versenkt sich jedoch vor allem in solche Themen, die von hohem persönlichem Interesse sind. Monotone Herausforderungen führen dagegen zu Ermüdung. Sie können sogar dazu führen, dass die betroffene Person einschläft. ADHS geht insofern sowohl mit großer Motivation wie auch einem Hang zur Prokrastination einher. Daneben äußert sich die Erkrankung in Form von Schlafstörungen und Schwierigkeiten bei der Organisation des eigenen Alltags. Alle diese Dinge bringen im Studium große Herausforderungen mit sich.

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Stärken von ADHS-Betroffenen

Auf der anderen Seite sollten sich Betroffene immer in Erinnerung rufen, das ihre Erkrankung erstens auch typische Stärken mit sich bringt. Wenn ein Mensch mit ADHS erst einmal für ein Thema brennt, kann er oder sie sich intensiv darin vertiefen. Für eine wissenschaftliche Forschungsarbeit kann das genau die richtige Grundlage sein. Allerdings sollte dabei die Strukturierung des Alltags nicht vernachlässigt werden. Zweitens verfügen Betroffene über eine hohe Wahrnehmung. Sie nehmen eher zu viel als zu wenig wahr. Auch das ist von Vorteil, wenn es etwa um die wissenschaftliche Analyse eines Sachverhalts oder die Interpretation eines Textes geht. Drittens zeigen Studien, dass die Betroffenen eine persönliche Offenheit an den Tag legen. Sie sind immer wieder bereit, sich auch für völlig neue Themen zu begeistern und sich auf andere Menschen und deren Lebenssituation einzulassen. Auch Empathie zählt zu ihren Stärken. In sozialwissenschaftlichen Studiengängen kann das ebenso vorteilhaft sein wie in allen anderen Bereichen, in denen man später beruflich mit Menschen zu tun hat. Damit diese Stärken gut ausgeschöpft werden können, müssen jedoch Schwächen ausgeglichen werden.

Wochenstrukturen schaffen durch Kalender

Der Schlüssel zum Erfolg besteht in der Strukturierung des Alltags durch Routinen, Zeitpläne und nützliche Gewohnheiten. Eine erste Basis dafür legt ein Kalender. Er sollte nicht nur nebenbei geführt werden. Der Kalender stellt in diesem Fall ein Instrument zur gezielten Wochenplanung dar. Entsprechend sollte ein passendes Kalenderformat gewählt werden. Die Wochenplanung sollte mit der Festlegung des Stundenplans verbunden sein. Zudem können hier die anfallenden Arbeitsaufgaben einer Woche festgehalten werden. Diese Aufgaben werden nach ihrer Priorität in vier verschiedene Gruppen geordnet. Das führt dazu, dass die Relevanz von Arbeiten klar vor Augen steht. Zudem werden kleinere Aufgaben festgehalten, die nebenher erledigt werden können. Die zu Papier gebrachten Aufgaben müssen so nicht weiter im Gehirn verharren. Ablenkung wird reduziert. Das kann für einen ganz normalen Studienalltag sorgen. Viele Menschen mit ADHS empfinden eine so gewonnene Normalität als regelrechte Befreiung.

Tagesablauf zum festen Zeitpunkt planen

Auch der Tagesablauf sollte gezielt geplant werden. Am besten sollte diese Planung zu einem bestimmten Zeitpunkt erfolgen und auch nur eine festgelegte Zeit in Anspruch nehmen. So wird verhindert, dass die Gedanken abschweifen. Wenn die Wochenplanung bereits steht und die Termine des Tages eingetragen sind, werden vorhandene Zeitfenster überblickt. Nun werden die Aufgaben festgelegt. Dabei sollte man sich nicht überfordern. Im Kalender lässt sich überblicken, wie der Tages- und Wochenplan eingehalten wurde, welche Dinge von der Arbeit abhalten und was den Erfolg stärkt. Eine weitere Methode zur Strukturierung des Tages besteht in der Nutzung von Ritualen. Rituale strukturieren Zeit und geben dem Menschen auf angenehme Weise einen Halt. Sie bieten gerade auch Menschen mit ADHS eine gute Unterstützung. In deren Lebenspraxis können ganz unterschiedliche Rituale vorkommen. Manchmal wird ein Teeritual vor dem Einschlafen eingesetzt. Andere Betroffene starten mit einem Espresso in ihren Tag. Auch ein bestimmter Spaziergang zu einer festgelegten Zeit des Tages kann im hektischen Alltag einen festen Halt geben. Wichtig ist dabei nur, dass dieses Ritual zur Routine und festen Gewohnheit wird. Wenn es sich dazu entwickelt hat, bildet es einen Anker in der fließenden Zeit.

Gewohnheiten einüben und Kettenprinzip nutzen

Solche Gewohnheiten und Routinen müssen von Menschen mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung meist erst einmal eingeübt werden. In der Hinsicht unterscheiden sie sich aber nicht von jedem anderen Menschen. Ein Ritual entwickelt sich nicht von heute auf morgen. Es ist immer eine Frage der Übung und gezielten Lebenspraxis. Doch es gibt Methoden, die Menschen bei der Einübung helfen können. Eine davon ist das sogenannte Kettenprinzip. Wie die Glieder einer Kette nur verbunden sind, wenn sich ein Glied an das andere reiht, müssen die Gewohnheiten und Routinen Tag für Tag wiederholt werden. Dabei kommt es weniger darauf an, auf bestimmte Lerngewohnheiten viele Stunden zu verwenden. Es kommt vor allem darauf an, dass diese Gewohnheit nicht unterbrochen wird. Jeden Tag sollte sie mindestens einmal vollzogen werden. Auch in vielen Computerspielen wird dieses Prinzip genutzt. Nach einer bestimmten Reihe, gibt es eine Belohnung für diesen Streak. Auch Menschen mit ADHS sollten das Kettenprinzip für sich nutzen. Wo Routinen eingeübt und Lernen geplant wird, sollte es jeden Tag für mindestens einen kleinen Moment stattfinden. Bei Menschen mit ADHS ist es besonders wichtig, dass sie dazwischen keinen Tag schleifen lassen. Man sollte jeden Tag mit dem Gedanken ins Bett gehen können, dass man heute etwas erledigt hat.

Deadlines einhalten und Auszeiten setzen

Es ist wichtig, sich im Kalender klare Deadlines zu setzen und diese auch einzuhalten. Deadlines sollten nicht nur für Hausarbeiten gesetzt werden. Sie bilden auch ein wichtiges Instrument bei der allgemeinen Strukturierung des Lernens. Manche Menschen mit ADHS versehen die wichtigsten Arbeitsaufgaben nach der Priorisierung mit einer festen Deadline. Neben solchen Fristen sollten jedoch auch Auszeiten eingeplant werden. Auch für ADHS-Betroffene mit starkem Antrieb sind sie von Bedeutung. Es bringt nichts, wenn man sich über Tage verausgabt und anschließend ausfällt. Ein solcher Ausfall kann dazu führen, dass der gut strukturierte Alltag wieder aus dem Lot gerät. Stattdessen sollten auch kleine Auszeiten an einem schönen Ort eingeplant werden. Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung sorgt mitunter für kleine Träumereien. Dem Drang danach sollte man zu einer festen Zeit auch freien Lauf lassen. Ansonsten passiert er während den Lernphasen. Und das könnte zu Schwierigkeiten führen.

Passende Themen und Studienfächer wählen

Die Wahl von relevanten Studienfächern und interessanten Hausarbeitsthemen bildet eine weitere Basis für erfolgreiches Lernen. Uninteressante Themen sorgen nur dafür, dass die Gedanken abschweifen und die Arbeit als Schikane empfunden wird. Bei einem Thema, für das einen brennend interessiert, wird ein Mensch mit ADHS dagegen zu Höchstform auflaufen. Diese Stärke sollte man gezielt für sich nutzen. Glücklicherweise räumt ein Studium meist mehr Möglichkeiten der freien Themenwahl ein, als dies in der Schule der Fall wahr. Auch die Wahl eines passenden Studienfachs spielt natürlich eine Rolle beim Erfolg.

Den richtigen Ort zum Lernen nutzen

Da sich Menschen mit ADHS schnell ablenken lassen, sollte ein geeigneter Ort zum Lernen gesucht werden. Ein Studentenwohnheim oder eine enge WG mit vielen Mitbewohnern kann zu Problemen führen. Am besten sollte ein Platz gewählt werden, an dem man die Tür hinter sich verschließen oder in Ruhe lernen kann. In vielen Bibliotheken gibt es geeignete Räume. Manche Institutionen bieten sogar verschließbare Glaskabinen an. In diesen lenken einen keine Töne ab und die passende Literatur steht in der Umgebung bereit. Manche ADHS-Betroffene haben es sich aber auch zur Gewohnheit gemacht, in ihrem Zimmer an einem bestimmten Platz zu lernen. Dieser sollte klar vom Bett abgetrennt sein. So werden Arbeit und Ausruhen nicht so schnell miteinander vermischt.

Geeigneten Ausdauersport betreiben

Eine sehr nützliche Maßnahme für ein erfolgreiches Studium besteht auch in regelmäßigem Sport. Bei Menschen mit ADHS hat sich vor allem Ausdauersport bewährt. Er weckt Körper und Geist nicht nur kurz auf und lässt die Person anschließend mit Bewegungsdrang und Übermotivation zurück. Ausdauersport sorgt dafür, dass der Körper seine gesamte Energie auspowern kann. Anschließend kehrt wieder Ruhe in Körper und Geist ein oder der Mensch sinkt zu Hause müde in den Schlaf. So sorgt der Sport erstens dafür, dass man nicht nachts wachliegt und der Schlafrhythmus aus dem Ruder läuft. Zweitens lässt sich Sport gut mit sozialen Kontakten verbinden. Drittens findet er üblicherweise zu einem festen Termin in der Woche statt. Damit trägt er wieder zur Strukturierung des Alltags bei. Am besten sollte ein Sport gewählt werden, der mit Begeisterung verfolgt wird und bei dem man angenehme Menschen treffen kann. Glücklicherweise gibt es an den Hochschulen meist ein breit aufgestelltes und kostengünstiges Sportangebot für Studierende.

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Positive Unterstützung durch Mitstreiter

Damit man sich an den strukturierten Alltag hält, sollte eine soziale Unterstützung gesucht werden. Am besten eignet sich ein Kommilitone, mit dem man sich nach dem Aufstehen oder an einem vereinbarten Zeitpunkt des Tages kurz austauscht. Eine kurze Nachricht über das Smartphone genügt, um den jeweils anderen darüber in Kenntnis zu setzen, dass man aus den Federn gekommen ist oder seinen Lernroutinen nachkommt. Solche Benachrichtigungen können auch auf Gegenseitigkeit basieren. Man vereinbart, wann man sich kontaktiert. Wenn sich der andere nicht meldet, ruft man an und erkundigt sich, wie es geht. Auf diese Weise wird einer zum Mitstreiter für den anderen. Wichtig bei solchen Tandems ist nur, dass man den Austausch als Unterstützung und nicht als Druck wahrnimmt. Aus diesen Gründen sollte er auch nicht über die Eltern laufen, sondern über eine Person, die auf gleicher Augenhöhe steht und mit der man sich gut versteht.

Sich selbst für erledigte Aufgaben belohnen

Positive Unterstützung lässt sich aber nicht nur durch Mitstreiter schaffen. Man sollte sich auch selbst unterstützen. Das gelingt am besten durch kleine Belohnungen. Menschen mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung sollten sich diese nach Erledigung einer wichtigen Aufgabe gönnen. Manschen Menschen tragen in ihrem Kalender auch festgelegte Meilensteine ein. Wenn ein bestimmter Arbeitsstand bei einem Projekt erreicht ist oder eine Hausarbeit fertiggeschrieben, sollte man sich dafür feiern. Man kann sich durch einen schönen Ausflug etwas Gutes tun oder sich eine Sache kaufen, die man sich schon lange gewünscht hat. Für erfolgreich erledigte Studienabschnitte darf man sich auch schon mal ein Glas Champagner gönnen oder etwas, das den Tag zu etwas ganz Besonderem macht.

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